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Kieler_Schloss

Das Kieler Schloss war kein Gebäude aus einem Guss, sondern setzte sich aus mehreren Baukörpern aus unterschiedlichen Epochen zusammen. Erst mit dem L-förmigen Pelli Neubau von 1668, der an den Herzog-Adolf-Bau anschloss, entstand ein U-förmiger zusammenhängender Schlosskomplex, der bis 1944 sichtbar war.

Das Kieler Schloss war:

Drei wichtige Ereignisse fanden auf dem Schloss statt:


0. Burg

In den 1230er Jahren ließ Stadtgründer Graf Adolf_IV. von Schauenburg eine Schutzburg für den Handelsplatz "tom Kyle" anlegen. Die Burg wurde auf der Endmoräne, dem späteren Kieler Schlossgelände errichtet, Details sind nicht bekannt.


1. Kieler Schloss von Herzog Friedrich I

Kurzform:Herzog_Friedrich_Bau
Bauherr: Herzog Friedrich_I.
Baujahr:1512
Lebensdauer: 156 Jahre (1512-1668)
Baumeister:?


1502 wurde die mittelalterliche Schutzburg abgebrochen und durch einen ersten Schlossbau ersetzt, der 1512 fertiggestellt wurde.


2. Kieler Schloss von Herzog Adolf I.

Kurzform:Herzog_Adolf_Bau
Bauherr: Herzog Adolf_I.
Baujahr: 1558-1568
Lebensdauer: 376 Jahre (1568-1944)
Baumeister:?


1568 ließ Herzog Adolf_I. einen weiteren Bau auf steiler Moränenkuppe hart am Fördeufer errichten . Ein mächtiger Schlossbau mit 26 x 48 m Grundfläche und 18 m Traufhöhe (Hofseite). Es entstanden 3 Geschosse und im Innenraum fanden unzählige gewölbte Säle und Kabinette, ebenso, die prächtig ausgestattete Schlosskapelle ihren Platz. Im Keller waren die Wirtschaftsräume, Küchen und Backräume untergebracht.

Geschoss: Höhe Decke
Keller:

?

Gewölbe
EG : 5,8 m Gewölbe
1.OG:5,8 m Gewölbe
2.OG:4,6 m Stuckdecke
Dach :

?

 


Mehrfachhaus
Der Herzog-Adolf-Bau wurde in der traditionellen Form des Mehrfachhauses (4-fach) gebaut, eine spezielle Eigenart der Guts-, Schloss- und Herrenhausarchitektur in Schleswig-Holstein, der Zusammenbau von Häusern gleicher Größe nebeneinander.

Dach
Vier Satteldächer bildeten den Abschluß der drei Stockwerke. Die Dächer wurden mit einen Kranz aus 12 Ziergiebeln und 2 Ziererkern an der Wasserseite bekrönt (Renaissancestil).

Pfahlgründung / Fundament /Sockel
Da der Untergrund auf der Wasserseite für die Anlage massiver Mauern ungeeignet war, mußte erst eine Pfahlgründung erfolgen. Für das Fundament wurden starke Unterlagbohlen auf die Pfahlköpfe gelegt, es folgten Entlastungsbögen aus Ziegelsteinen mit Untermauerung, zwei Schichten mit grossen Feldsteinen und dann erst wurde der Sockel mit behauenen Granitquadern gemauert. Der Sockel des Herzog-Adolf-Baus hatte eine Stärke von 2,30 m.

Treppentürme
Auf der Hofseite waren je an der Nordwest- und Südwestecke hochragende Treppentürme gemauert. Die einzelnen Geschosse erreichte man über Wendeltreppen. Auf der Ostseite gab es noch 2 weitere innenliegende Wendeltreppen in den Gebäudezwischenwänden, diese waren aber dem Herzog für seine Gemächer vorbehalten.

Schlosskapelle
Von besonderer Bedeutung war die Schlosskapelle. Sie befand sich im 1. Stock im nördlichen Teil und ging durch zwei Stockwerke.


2.1. 1685 eingestürzter Herzog-Friedrich-Bau

Am 31.03.1685 um 14:00 Uhr brach die Vorderfront des 1. Kieler Schlosses von 1512 in sich zusammen.
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3. Kieler Schloss, der Pelli-Bau

Kurzform:Pelli_Bau
Bauherrin: Herzogin Friderica Amalia
Baujahr:1695-1698
Lebensdauer: 276 Jahre (1668-1944)
Baumeister: Dominicus_Pelli

1698 wurde für die Herzogin Friderica Amalia an der Stelle des 10 Jahre zuvor eingestürzten Herzog-Friedrich-Baus ein Neubau durch den Festungsbaumeister Dominicus Pelli errichtet.
Pelli hatte 1695 die Entwürfe für eine ansehnliche Dreiflügelanlage geliefert, er sah einen L-förmigen Anbau an den Herzog-Adolf-Bau vor.

Pelli-Bau
Von dem Äußeren des Neuen Schlosses gab der Amtsschreiber Koess 1706 in einem Inventar eine gute Darstellung:

"Ist von dem alten Gebäude an, gegen Nordwesten 208 Fuß (59,50 m) lang und 45 Fuß (12,90 m) in der Breite. An dessen Ende, Nordoster Seite, ein Flügelgebäude von 122 Fuß (34,90 m) lang und 33 Fuß (9,45 m) breit angebaut ist, so gegen Nordosten nach dem Schlossplatz kehret. Dieses ganze Neue Gebäude ist am Fundament mit einer Reihe Quadersteinen, rund umher, und von Grund auf bis an und mit dem Dach Corniche (Gesims) von Mauersteinen, am unteren Schlossplatz drei und im oberen Platz zwei Etagen hoch gebaut. Das Dach von blau glasierten Dachsteinen ist in Kalk gelegt, mit zwei gemauerten Frontespicen und vier gleichen Lucarnen, deren Mauerwerk, wie auch alle Schottrinnen mit Blei belegt; und zur Ableitung des Regenwassers mit Bleirinnen, wovon eine im oberen Schloßplatz herab gehend, und mit eisernen Haltern befestigt; oben zur Mitte des Daches gehen acht Kamine hervor, mit steinernen Cornichen versehen.
Vorn am Eingang nach dem oberen Schlossplatz ist das große Portal von gotländischen Steinen mit zwei breiten Piedestalen, vier dorischen Säulen und mit gehörigen Gesimsen, in der Mauer befestigt; worüber eine in Steinen aus gehauene und mit vergoldeten Buchstaben befindliche Inscription; an dessen Seiten über vorerwähnten Säulen zwei große hölzerne Statuen und oben im Frontespice Ihr. Königl. Hoheit der Höchstseeligen Herzogin Wappenzier vergoldet in Stein gehauen; über welchen drei von Holz geschnitzte Blumentöpfe. Alles mit weißer Farbe überzogen. Unten sind innwendig an dem Portal an jeder Seite drei große Türangeln eingemauert.
Alle anderen am neuen Gebäude befindlichen auswendig Portale, deren drei am unteren und eins im Küchen platz oder Hof (zur Dänischen Straße‘ zugleich die Gesimse über allen Fensteröffnungen und oben um dieselben herum gehenden Leisten, wie auch die gegen Westen, Norden und Osten kehrenden Hausecken, sind von gotländischen Steinen mit grauer Ölfarbe überzogen. Das ganze Mauerwerk dieses Gebäudes ist auch mit Ölfarbe überzogen.
An der Nordostseite dieses Gebäudes, im oberen Schlossplatz vom alten Gebäude bis an den Flügel ist eine Galerie auf zwölf viereckigen Pfeilern aus Tannenholz, mit umkleideten Basen und Capitelen von Eichenholz, angebaut. Die Galerie ist von Tannenholz und Brettern mit Fensteröffnungen und gleich dem Gebäude ‚mit Ölfarbe überzogen und mit blau glasierten Dachsteinen bedeckt.
Im Anfang an dieser Galerie am alten Gebäude ist ein aufgebautes Viereck aus Tannenholz, mit Brettern bekleidet, worin ein auf-, und ablassender Stuhl sich befindet. Darüber ein flaches Dach mit Blei bedeckt, so oben umher mit einer kleinen Galerie versehen und von außen mit Ölfarbe überzogen ist. (Personen Aufzug)
In der Mitte von sechs Fenstern (im Seitenflügel) ist die große Entreetür an einer neben dem steinernen Portal ein gemauerten Zarge von Eichenholz mit zwei aneinander schlagenden Flügeln, jede mit vier eingefassten Füllungen. Alles Holz dieser Tür und die Fenster sind mit grauer Ölfarbe gestrichen. Außen vor dieser Entre sind zwei Hinabtritte von gotländischen Steinen bis auf einen Treppenabsatz, so mit Fliesen belegt ist. Von da man an jeder Seite auf sechs Stufen gotländischen Steinen und ein gehauenen Feldsteinen auf den oberen Schlossplatz geht. Selbige Treppe ist vornher, auf der von Mauersteinen aufgeführten Einfassung (Wange) mit gotländischen Steinen bedeckt. Nach dem Küchenhof zu ist eine Tür mit steinernem Portal.

An der Nordostseite ist derselbe mit einer drei Fuß (etwa 1 m) hohen Mauer geschlossen, die mit gotländischen Steinen bedeckt ist. In dieser Mauer sind zum Durchgang zwei Öffnungen, an beiden Seiten derselben sind breite Postamente von gotländischen gehauenen Steinen, auf denen zwei Löwen, von Eichenbrettern ausgeschnitten und an gemalt, und auf den andern beiden zwei gleiche Sphinxe stehen. Mitten vor dieser Mauer ist eine Fontaine, unten umher mit einem Gesims=Bord von gotländischen Steinen eingefasst und innen mit Fliesen belegt. An der Mauer liegt auf einem aufstehenden Postament eine Muschel, darauf oben auf einem Wasser speienden Delphin ein Kind von gotländischen Steinen aus gehauen sitzt. Hinter der Mauer ist ein eichener Wasserbaum, woraus ein Bleirohr zur Wasserleitung zum Delphin geht. Unten aus der Fontaine geht eine Ableitung zu dem Schlossgarten und nach vorn hinaus eine zu dem Stall durch dahin geleitete Piepenbäume, wovor kleine durchkicherte Bleiplatten hängen.
Der Zugang zum unteren Schlossplatz führte von der Richtung der Schlossstraße, früher Schmiede-, oder Burgstraße — platea castrensium —‚ durch das große Portal. 1706 wurde dieser Bau als sehr alt bezeichnet, der dringend repariert werden müsse. Es ist anzunehmen, dass er aus der Zeit Herzog Adolfs stammte.
Selbiges ist von gehauenen gotländischen Steinen auswendig an der Mauer mit Halbstiulen rustiquer Structur aufgeführt, oben mit ein Corniche und Prontespice, auf leder Seite mit einem liegenden Bild. In der Mitte zu oberst und an beiden Seiten mit drei Kugeln versehen. Die Durchfahrt war rundbogig, in dem einen Torflügel befand sich eine Fußgängertür.
Für die Versorgung des Schlosses mit Wasser diente weiter die alte Leitung vom Schreventeich. Um sie gut zu unterhalten, wurde am 3. Februar 1696 der Fontänemeister Christian Albrecht Hamberger durch den Oberhofmeister von Bülow angestellt."

Quelle: C.H.Seebach, Das Kieler Schloss,1965, Neumünster


4. Der Schlossumbau 1763-1766

Kurzform:Kieler_Schloss
Bauherrin: Katharina_II
Baujahr: 1763-1766
Lebensdauer:276 Jahre (1668-1944)
Ansicht Umbau:178 Jahre (1766-1944)
Architekt: Ernst_Georg_Sonnin
Baumeister: Johann_Adam_Richter


Instandsetzung 1763 durch Katharina die Große
1763 ließ Katharina_II die Große, Zarin von Rußland und zugleich Herzogin von Gottorf, durch den Baumeister Ernst_Georg_Sonnin das damals schon seit Jahrzehnten vor sich hin rottende Schloss instandsetzen.

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1838 1. Schlossbrand im Herzog-Adolf-Bau

Am 16. März 1838 vernichtete ein Brand weite Teile des Herzog-Adolf-Baus und der Schlosskapelle. Die Neuausstattung der Innenräume erfolgte daraufhin in bescheideneren Formen.

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1855 wurden durch die Firma Schweffel und Howaldt gußeiserne Wasserrohe verlegt.
1858  wurde das Schloss an die örtliche Gasversorgung angeschlossen und in fast allen Zimmern wurde Gaslicht installiert, sogar in den Höfen wurden Beleuchtungskörper angebracht.


1888-1918 Wohnsitz des Prinzen Heinrich von Preussen

Eine letzte Glanzzeit erlebte das Schloss von 1888-1918 als Dienst- und Wohnsitz des Prinzen Heinrich von Preußen, des Bruders Kaiser Wilhelms II.


1938 2. Schlossbrand im Herzog-Adolf-Bau 

Genau 100 Jahre später brannte das Schloss zum zweiten Mal. Bei Schweißarbeiten auf dem Dachboden des Herzog-Adolf-Baus (Ostflügels) entstand ein Feuer, das die Torffüllungen der Bodendecke in Brand setzte. Erst gegen Mitternacht konnte der Großbrand gelöscht werden.


1944 3. Schlossbrand im Herzog-Adolf-Bau 

Am 04.01.1944 brannte das Kieler Schloss nach einem Bombenangriff fast komplett aus. Der Westflügel blieb weitestgehend verschont.


1959 Abruch der Schlossruine

Mitte der 1950er Jahre wurden umfangreiche archäologische Ausgrabungen auf dem Schlossgelände ausgeführt, bevor im Jahre 1959 mit dem Abbruch der Kieler Schlossruine begonnen wurde.

Die Resultate der Ausgrabungen sind hier nachzulesen:

Das Kieler Schloss
Carl-Heinrich Seebach (Autor)
Verlag:Wachholtz Verlag, 1965, Neumünster